Visionen für den Landschaftsraum Birstal

Projektbeschreibung

Im Gebiet zwischen der auf den Schotterflächen der Birstalniederung gewachsenen Birs-Stadt vor Basel und den Jurahochflächen mit dem Gempen liegt das Goetheanum und der 12 Hektar große Goetheanumgartenpark – Sitz der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft, begründet von Rudolf Steiner in 1922.

Anhand der ineinandergreifenden Funktionen des Goetheanum als Kulturzentrum und des Gartenparks, welcher öffentlicher Park und Erholungsgebiet, landwirtschaftliche Nutzfläche und Ausbildungsstätte zugleich ist, wurde im Zusammenhang mit der Internationalen Bau Ausstellung IBA Basel 2020 ein landschafts- und bauplanerisches Projekt entwickelt. Durch dieses Projekt sollen die Qualitäten des Goetheanum Gartenparks beispielhaft weiter entwickelt werden und die begründenden Prinzipien identifiziert und übertragbar gemacht werden. Außerdem geht es um die gesunde Einbettung des Goetheanum und des Goetheanum Gartenparks in seine Umgebung mit dem langfristigen Ziel, einen ökologischen Korridor vom Gempen über den Goetheanum Gartenpark, bis zum Birstal zu schaffen. Um diese Projektziele zu verwirklichen, sollen bis 2020 verschiedene Initiativen, welche aufeinander aufbauen, entwickelt werden. Ganz am Anfang davon steht eine Konsultation mit Experten: Die interdisziplinäre Landschafts-planungswoche, die im September 2012 am Goetheanum in Dornach stattfinden soll.

 
Die Interdisziplinäre Landschaftsplanungswoche entsteht aus dreierlei Anliegen heraus. Erstens suchen die Gärtnerei und die Bauadministration am Goetheanum ganz konkrete Lösungen für die Gestaltung und Pflege der Nord- und Ostgebiete des Goetheanum Gartenparks. Es gibt einen Überfluss an Wasser, Fragen bezüglich des Verkehrs und der Parkplätze und Schwierigkeiten, dem schattigen Teil des Gartenparks eine schöne und sinnvolle Gestalt zu geben. Zweitens wird ein steigender Baudruck in der ganzen Birstal Region erlebt, der droht die Grünflächen, welche als Naherholungsgebiete und ökologische Korridore dienen, verschwinden zu lassen. Demgegenüber soll durch eine aktive Landschaftsgestaltung und Pflege, in Kooperation mit den Anwohnern, der Wert und die wichtige Rolle der Grünflächen unterstrichen werden, um zu ihrer Erhaltung auf lange Sicht beizutragen. Ein drittes Anliegen betrifft hauptsächlich professionelle Landschafts-planer, die mit der goetheanistischen Methode arbeiten und die einerseits anhand praktischer Arbeit ihr methodisches und inhaltliches Wissen austauschen möchten, andererseits zusammen raumübergreifende Konzepte und Empfehlungen für die Landschaftsplanung erarbeiten wollen.

Die Arbeit an den konkreten Fragen und Problemen des Goetheanum Gartenparks soll als Grundlage dienen, um eine landschaftsplanerische Gestaltung exemplarisch vorzunehmen, daran zu lernen und das Gelernte in seiner weiteren Anwendbarkeit für die Region Dreiländereck zu dokumentieren.
 

Antragsteller

Die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft ist Besitzer des Geländes und der Gebäude, die im Goetheanum Gartenpark liegen. Konkret werden die Sektion für Landwirtschaft am Goetheanum, die Bauadministration und die Goetheanum Gärtnerei die Trägerschaft des Projektes sein und für dessen Ausführung die Verantwortung tragen. Die Sektion für Landwirtschaft ist der direkte Ansprechpartner und Koordinator des Projektes.

Die Sektion für Landwirtschaft ist eine der 11 Sektionen der Hochschule für Geisteswissenschaft, die der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft angehört und am Goetheanum angesiedelt ist. Die Sektion für Landwirtschaft koordiniert die biologisch-dynamische Bewegung weltweit und ist interessiert daran den Begriff des landwirtschaftlichen Organismus für die Landschaftsgestaltung weiter zu entwickeln.

Die Bauadministration des Goetheanum besitzt vielfältige Aufgaben rund um den Goetheanum-Bau und dessen Unterhalt sowie Veranstaltungen und den laufenden Betrieb. Die Gestaltung und Pflege des Gartenparks im Zusammenhang mit den Gebäuden als Gesamtkunstwerk ist ein wichtiges Anliegen der Bauadministration.

Die Gärtnerei am Goetheanum ist verantwortlich für die Pflege und Gestaltung des Goetheanum Gartenparks. Der Goetheanum Gartenpark erstreckt sich über 12 Hektar um das Goetheanum herum und bildet zusammen mit dem Goetheanum und mit anderen Gebäuden ein Gesamtkunstwerk, das ästhetische und landwirtschaftliche Komponenten vereinigt. Obstwiesen, in denen im Sommer die Kühe weiden prägen den Hauptcharakter des Gartenparks. Diese Obstwiesen gehen über in Gemüsegärten, Blumenbeete und Themengärten, die das ganze Jahr über einen vielfältigen und sich wandelnden Untergrund für Pflanzen, Tiere und Menschen bieten. Der Goetheanum Gartenpark geht fließend in die umgebende Juralandschaft über und steht somit Besuchern immer offen.


 
Projektpartner

IBA Basel 2020

Eine Internationale Bauausstellung (IBA) ist ein Bau- und Landschaftsplanerisches Instrument, das in Deutschland benutzt wird, um neue Ideen zur städtebaulichen Planung und zum landschaftlichen Wandel für eine bestimmte Region zu generieren. Es wird dabei ein internationaler Wettbewerb eingeleitet mit dem Ziel der Förderung von innovativen, sozial, ökologisch und kulturell relevanten Projekten in der ausgewählten Region.

Die Region um die Stadt Basel hat sich gegenwärtig (2010-2020) die Aufgabe gestellt mit grenzüberschreitenden Projekten die Region aktiv und in trinationaler Kooperation zu gestalten. Die IBA Basel demonstriert mit rund 40 ausgewählten Projekten mustergültig, welche Kräfte die grenzübergreifende Kooperation in der Entwicklung von Stadt und Land freisetzen kann. Die Gestaltung des Goetheanum Gartenparks im Zusammenhang mit der Region Birstal wurde als eines der 40 innovativen Projekte von der IBA 2020 anerkannt.


Petrarca

Petrarca, die Europäische Akademie für Landschaftskultur, ist eine unabhängige nicht staatliche Organisation, welche sich die Förderung einer holistischen Landschaftsbe-trachtung und -gestaltung zur Aufgabe gemacht hat. Die PETRARCA-Akademie bildet ein Forum des Dialoges und der Forschung für alle Menschen, denen der Erhalt, die Pflege und die Entwicklung der europäischen Kulturlandschaften ein Anliegen ist und die sich darin fortbilden und begegnen wollen. PETRARCA entwickelt praktische Ansätze in der Landschaftsplanung, Gestaltung und Erforschung; führt Workshops durch, fördert Netzwerke und arbeitet hierfür zusammen mit internationalen, nationalen und regionalen Institutionen, die sich um die Entwicklung von Landschaften bemühen. Geleitet wird PETRARCA von einer Gruppe Menschen aus verschiedenen Ländern Europas, welche die goetheanistische Naturbetrachtung zum Ausgangspunkt ihrer landschaftsplanerischen Arbeit machen.

Die internationalen Experten von PETRARCA sind bereit ihr Wissen und ihre Erfahrung konkret für die Arbeit an den Fragen der Goetheanum Gärtnerei und Bauadministration einzusetzen und des weiteren gemeinsam Konzepte für die landschafts- und raumplanerische Gestaltung der Birstal Region zu erarbeiten.


Ziele des Projekts

Die Ziele der interdisziplinären Landschaftsplanungswoche können in drei geographische Ebenen gegliedert werden.

Auf ganz lokaler Ebene, geht es darum konkrete Möglichkeiten für die Entwicklung des Goetheanumgeländes in seinem landschaftlichen Zusammenhang zu definieren, insbesondere für den schattigen Nordbereich mit noch unklarem Charakter, der Gestaltungslösungen fordert für:

-    die Oberflächenwasserregulierung und –gestaltung;

-    die Gestaltung des ruhenden und fließenden Verkehrs;

-    der Grundwasserbrunnen-Erschließung und –öffnung;

-    die Erweiterung der Retentionsflächen und die Gestaltung der Nutz- und     Produktionsflächen auf dem Gelände.

Des Weiteren geht es um die Sicherung und Entwicklung der durch jahrzehntelange Pflege geschaffenen Qualitäten des Goetheanum Gartenparks in Zusammenhang mit den dazu gehörenden Bauten und der umgebenden Landschaft durch seine Anerkennung und Verankerung in örtlichen und regionalen Raumplanungsstrategien in Zusammenarbeit mit örtlichen und regionalen Bau- und Planungsbehörden.

Im örtlichen Zusammenhang, will die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft mit ihren Nachbarn zusammen den Naturraum im Siedlungsgebiet ökologisch und sozial aufwerten. Es geht darum, spezielle Beiträge zur ökologischen Vernetzung der Landschaftsbereiche Gempenplateau und Birs zu leisten, zur Erhaltung und Entwicklung eines landwirtschaftlichen Raumes in der Zwischenstadt beizutragen und einen öffentlichen Park als Naherholungsgebiet zu fördern.

Auf regionaler Ebene sollen konzeptionelle Beiträge zur Internationalen Bauausstellung Basel 2020 in Form von Visionen für die landschaftsräumliche und planerische Entwicklung des Rheintalgrabens im Dreiländereck entwickelt werden.
 

Methoden und Vorgehensweise

Die Methode für die Landschaftsplanungswoche orientiert sich an der Phänomenologie der Natur Goethes und ihrer Weiterführung insbesondere durch Dr. Jochen Bockemühl (1992: Erwachen an der Landschaft, Verlag am Goetheanum, Dornach). Die Phänomenologie versucht am unmittelbar Gegebenen anzuknüpfen und erkennend auf die ursprüngliche Einheit der Wahrnehmung mit der Selbsterfahrung zurückzukommen. So kann der Mensch seinen inneren Bezug zur Welt (Landschaft) entdecken und immer bewusster erfassen. Daran kann ein nachhaltiger Umgang mit den Lebensprozessen der Natur entwickelt werden. Dieser Zugang ermöglicht es individuelle Sichtweisen in eine gemeinsame Anschauung des „genius loci“ zu integrieren. Aus dieser können Entwicklungspotentiale der Landschaft und Leitbilder für die Gestaltung beschrieben werden.

Diese goetheanistische Methode der Landschaftsbetrachtung soll während der Landschaftsplanungswoche für vier verschiedene Arbeitsgruppen die Grundlage bilden. Die Arbeitsgruppen werden sich fünf Tage lang intensiv mit folgenden Themen und Fragestellungen befassen:

1.      Beziehung zwischen Architektur und Umgebung und zwischen Menschen und ihrer nicht bebauten Umgebung - Alain Findeli, Benno Otter (Gärtner), Martin Zweifel (Dipl. Ing. Architekt ETH), Susanne Böttge (Dipl. Ing. Architekt TU);

2.      Der Zugang zum Gartenpark (Eingangsbereich, Felsli, Wegeführung und Strassen, Verkehr, Parkplätze); Bas Pedroli (PD Dr.), Jörg Mensens (Gärtner), Hans-Christian Zehnter (Dipl. Biol.);

3.      Wasserführung; Laurens Bockemühl (Umwelt und Landschaftsplaner), Sera Schwarz, Karin Mecozzi

4.      Naturschutz- Naturpflege-Naturentwicklung; Nord-Süd-Seiten: vom Wahrnehmen zum Ausdruckbringen; Sonja Schürger (Biologin M.Sc.), Jean-Michel Florin (Agronom und Leitung der Sektion für Landwirtschaft), Thomas van Elsen (Dr. rer. nat.).

Täglich wird es nach der Arbeit in den einzelnen Arbeitsgruppen einen Austausch der Erfahrungen und Ergebnisse geben und ein Redaktionsteam wird die Arbeit laufend dokumentieren und die wichtigsten Ergebnisse zusammenfassen. Aus diesen Ergebnissen soll dann nach der Landschaftsplanungswoche ein Dokument verfasst werden, welches die regional relevanten Ideen, Methoden und Ansätze professionell und gut verständlich zusammenfasst.

Schlusswort

Die Landschaftsplanungswoche ist Teil eines 10 jährigen Projekts (2010-2020) im Zusammenhang mit der IBA Basel 2020, welches zum Ziel hat, einen ökologischen Korridor entlang der Birs und ihren Zuflüssen in Zusammenarbeit mit den angrenzenden Gemeinden und Anwohnern nachhaltig zu gestalten. Während den Vorbereitungsarbeiten hat sich schon gezeigt das ein Beitrag des Goetheanum zur Entwicklung von Visionen für die Region erwartet wird.

In dieser Arbeit liegt auch das Potential das Goetheanum als Kulturzentrum weiter mit seiner Umgebung zu vernetzen und vermehrt kooperative Kontakte zu Gemeinden, Vereinen und Anwohnern zu knüpfen. Das Goetheanum als Kulturzentrum des Wirkens Steiners hat letztes Jahr verstärkt Anerkennung bekommen (über den 150. Geburtstag Steiners und der Austellung im Vitra design Museum): diese Anerkennung gilt es weiter zu verstärken durch die Öffnung des Goetheanum und die Leistung von Beiträgen für die 3 Länder Region (Regio Basiliensis) die ein großes kulturelles Potential hat.

Die Landschaftsplanungswoche soll ein erster Schritt sein, um anhand konkreter landschaftsplanersicher Fragen und Probleme des Goetheanum Gartenparks übertragbare Lösungsansätze und methodische Anregungen für die Region zu erarbeiten.

Mehr Informationen unter:Opens external link in new window www.sektion-landwirtschaft.org

Sampo fördert dieses Projekt mit 4.000 CHF


 
Jean-Michel Florin, Sektionsleitung



 
 


 

Sampo
Oberer Zielweg 60
4143 Dornach

Mail: kontakt@sampo.ch